2025-2026

Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster, 80 × 80 cm, Tinte, Edding, Öl auf Leinwand, 2026

Meine Arbeit ist eine zeitgenössische Neuinterpretation von Johannes Vermeers Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster. Während Vermeer Stille und innere Sammlung zeigt, löse ich die Figur aus ihrem historischen Kontext. Farbe, Transparenz und Fragmentierung öffnen den Raum für heutige Empfindungen wie Erinnerung, Unsicherheit und emotionale Bewegung. Der Brief bleibt Symbol des Inneren, das Fenster wird Übergang zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Girl Reading a Letter at an Open Window, 80 × 80 cm, ink, marker, oil on canvas, 2026
My work is a contemporary reinterpretation of Johannes Vermeer’s Girl Reading a Letter at an Open Window. While Vermeer conveys tranquillity and inner contemplation, I detach the figure from its historical context. Colour, transparency and fragmentation create space for contemporary sensations such as memory, uncertainty and emotional movement. The letter remains a symbol of the inner self, while the window becomes a transition between past and present.

Das Bild wirkt wie eine vielschichtige Erinnerungscollage. Die zentrale Figur des Mädchens aus einer historischen Fotografie steht im Kontrast zu den abstrakten Farbflächen und fragmentarischen Zeichnungen. Malerische Gesten, Kratzspuren und Überlagerungen erzeugen eine Spannung zwischen Gegenständlichkeit und Auflösung. Die angedeutete Landschaft im Hintergrund öffnet einen inneren, fast traumhaften Raum. Insgesamt thematisiert das Werk Vergänglichkeit, Erinnerung und die Brüchigkeit persönlicher wie kollektiver Geschichte.

Das Bild entfaltet sich wie eine Erinnerungsschicht. Links am Rand erscheint die Frau nur fragmentarisch, beinahe durchsichtig. Ihr Blick ist nach innen gerichtet, auf ihren verstorbenen Mann, der nicht als klar umrissene Figur erscheint, sondern als Spur, als Präsenz im Verschwinden. Er ist in die Materie eingebettet.

Die Malweise – Überlagerungen von Öl, grobe Flächen und zeichnerische Edding-Linien – verweisen auf das Unfertige und Brüchige des Erinnerns des Lebens. Es geht nicht um ein konkretes Ereignis, sondern um ein gelebtes Leben im Gruyère: Arbeit, Nähe, Entbehrung, Stille. Die Inspiration durch Fotografien der ursprünglichen Bewohner des Maison des Fées in Charmey ist spürbar als Haltung, nicht als Abbild.

Im Hintergrund erheben sich die Schweizer Alpen, skizzenhaft und in Blau gezeichnet. Sie stehen für Beständigkeit und zugleich für die Unverrückbarkeit der Vergangenheit. Landschaft und Figuren greifen ineinander, Erinnerung und Gegenwart überlagern sich.

Das Bild erzählt von Trauer ohne Pathos und von einem stillen Weiterleben mit dem Abwesenden. Das Maison des Fées erscheint dabei als symbolischer Raum der Erinnerung, in dem Mensch, Geschichte und Landschaft untrennbar verbunden sind.

The image unfolds like a layer of memory. On the left edge, the woman appears only fragmentarily, almost transparent. Her gaze is directed inward, toward her deceased husband, who does not appear as a clearly defined figure, but as a trace, a presence in disappearance. He is embedded in the material.

The painting technique – layers of oil, rough surfaces, and graphic Edding lines – refers to the unfinished and fragile nature of memories of life. It is not about a specific event, but about a life lived in Gruyère: work, closeness, deprivation, silence. The inspiration from photographs of the original inhabitants of the Maison des Fées in Charmey is palpable as an attitude, not as an image.

In the background, the Swiss Alps rise up, sketched and drawn in blue. They stand for constancy and at the same time for the immutability of the past. Landscape and figures intertwine, memory and present overlap.

The image tells of grief without pathos and of quietly continuing to live with those who are absent. The Maison des Fées appears as a symbolic space of memory in which people, history, and landscape are inextricably linked.

Mutige Bergsteigerin
Das Bild zeigt eine Bergsteigerin um 1900. In kräftigen, teils abstrakten Farben verbindet es die raue Bergwelt mit der stillen Entschlossenheit der Figur. Die Darstellung erinnert an den frühen Alpinismus und an den Mut jener Frauen, die sich bereits damals ohne große Sicherung und in Alltagskleidung ihren Weg in die Hochalpen bahnten.

Courageous mountaineer
The painting depicts a female mountaineer around 1900. With its bold, partly abstract colours, it combines the rugged mountain landscape with the quiet determination of the figure. The depiction is reminiscent of early alpinism and the courage of those women who, even back then, made their way into the high Alps without much safety equipment and in everyday clothing.

Das Bild „Wie weit trägt uns die Hoffnung?“ verbindet Trauer, Erinnerung und Hoffnung. Es greift die Tradition viktorianischer Postmortem-Fotografien auf, die im 19. Jahrhundert als letzte, kostbare Erinnerungsbilder dienten. In Rottönen zeigt es eine sitzende Frau im viktorianischen Kleid mit einem Kind auf dem Schoß. Ihr erstarrter Blick spiegelt Schmerz und innere Leere, während kleine Lichtreflexe in ihren Augen einen stillen Funken Hoffnung andeuten.

How Far Does Hope Carry Us I., 100 x 100 cm, oil, ink on canvas, 2025 The painting ‘How Far Does Hope Carry Us?’ combines grief, memory and hope. It draws on the tradition of Victorian post-mortem photography, which served as precious final mementos in the 19th century. In shades of red, it shows a seated woman in a Victorian dress with a child on her lap. Her frozen gaze reflects pain and inner emptiness, while small reflections of light in her eyes hint at a quiet spark of hope.

Das Bild zeigt eine Verabschiedungsszene, wie sie von den griechischen Grabstelen bekannt ist, in der Abschied und Übergang still und feierlich inszeniert werden. Zugleich greift die Darstellung das Motiv aus Edvard Munchs Das kranke Kind auf und verweist auf Krankheit, Verletzlichkeit und existenzielles Leid. Im Vordergrund erscheint eine Lunge mit Metastasen, die das Thema von Vergänglichkeit und Tod auf eine medizinisch-konkrete Ebene überträgt. So verbindet die Abbildung antike Bildtraditionen, moderne Kunst und zeitgenössische Krankheitsdarstellung zu einem vielschichtigen Sinnbild des Abschieds.

The image depicts a farewell scene, as seen on Greek funerary steles, in which parting and transition are staged in a quiet and solemn manner. At the same time, the depiction takes up the motif from Edvard Munch’s The Sick Child and refers to illness, vulnerability and existential suffering. In the foreground is a lung with metastases, which transfers the theme of transience and death to a concrete medical level. The image thus combines ancient pictorial traditions, modern art and contemporary representations of illness to create a multi-layered symbol of farewell.

Das Bild zeigt den Ruinenberg bei Potsdam-Bornstedt als Sinnbild zwischen klassizistischer Ruinenästhetik und barocker Allegorie. Die im Hintergrund schwebende Engelsfigur mit Saphir greift in ihrer Leichtigkeit und Dramatik die Bildsprache Giovanni Battista Tiepolos auf. In der Gegenwart gelesen, verbindet das Werk Verfall und Hoffnung zu einer Reflexion über die Fragilität kultureller Ordnungen und die Suche nach Orientierung heute.

The painting depicts the Ruinenberg near Potsdam-Bornstedt as a symbol of classical ruin aesthetics and baroque allegory. The angel figure floating in the background with a sapphire echoes the visual language of Giovanni Battista Tiepolo in its lightness and drama. Viewed from a contemporary perspective, the work combines decay and hope to reflect on the fragility of cultural orders and the search for orientation today.